Knoerig: Wachsende Marktkonzentration in Flugbranche

Wirtschaftspolitiker Axel Knoerig MdB kritisiert die Übernahme von Unternehmensteilen von Air Berlin durch die Deutsche Lufthansa:

„Durch die Übernahme großer Teile von Air Berlin kann die Lufthansa ihre vorherrschende Marktstellung in Deutschland und Europa noch weiter ausbauen. Aufgabe der Politik ist es, dass die Rahmenbedingungen für fairen Wettbewerb eingehalten werden und nicht die Monopolstellung einzelner Firmen gefördert wird. Im Falle der Lufthansa würden zahlreiche Überschneidungen mit den Routen von Air Berlin einen sehr hohen Marktanteil, abhängig von den einzelnen Streckenbereichen, ergeben. Mögliche Folgen für den Wettbewerb im Luftverkehr: weniger Auswahl und Service sowie höhere Ticketpreise um zehn bis 20 Prozent.

Ich setze hier auf das Bundeskartellamt: Im Lang-, Mittel- und Kurzstreckenverkehr muss genau geprüft werden, ob die Lufthansa einzelne Start- und Landerechte für ihre Mitbewerber freizugeben hat. Die Monopolkommission hat bereits im August 2017 strengere Auflagen für das Unternehmen sowie die Abgabe von Strecken als Bedingung für die Teilübernahme von Air Berlin gefordert. Das Bundeskartellamt überprüft diesen Transfer nun sehr genau. Die fusionskontrollrechtliche Freigabe des Leasings von 38 Air-Berlin-Maschinen durch die Lufthansa im Januar 2017 wurde nur deshalb bewilligt, weil sich das wettbewerbliche Potential der Kurz- und Mittelstreckenflüge ausschließlich auf Deutschland und Österreich beschränkte. Auch die EU-Wettbewerbskommission prüft derzeit eine Genehmigung der geplanten Teilfusion.

Wie gezielt diese übrigens vorbereitet worden ist, belegen die Fakten: So hat Anteilseigner Ethihad Airways seine Beteiligung an Air Berlin bereits in 2010 von drei auf 29,2 Prozent erhöht, um das defizitäre Unternehmen in der Luft zu halten. Die von langer Hand geplante Strategie, Air Berlin direkt an die Deutsche Lufthansa zu verkaufen, hat Lufthansa-Intimus Thomas Winkelmann weiter beflügelt, als er im Februar 2017 in den Air-Berlin-Vorstand wechselte.

Bei dieser vorbereiteten Übernahme der besten Unternehmensteile wäre im Übrigen auch die Übernahme sozialer Verantwortung gefragt gewesen. Statt finanzieller Beteiligung an einer Auffanggesellschaft wurde lieber in Winkelmanns Millionengehalt für die kommenden Jahre investiert. Die stark zunehmende Marktkonzentration wird nun große Herausforderungen bei der Arbeitsplatzsicherung mit sich bringen. Im Interesse der Fachkräftesicherung hätte man sich hier vielmehr eine vorausschauende Personalplanung gewünscht.“