120 Jahre Diakonissen-Mutterhaus Altvandsburg: Grußwort mit Dank an Schwestern

120 Jahre Diakonissen-Mutterhaus Altvandsburg: Dieses große Jubiläum wurde gestern in Lemförde mit einem feierlichen Gottesdienst und Festakt gewürdigt. In meiner Ansprache dankte ich der Schwesterngemeinschaft für ihr soziales Engagement auf Basis der christlichen Nächstenliebe. U.a. mit Pastor Fritz Wilhelm Renzelberg, Oberin Schwester Heidemarie Jäckel und Schwester Maria (Bild oben v.l.). 

Grußwort zum 120. Jubiläum des Diakonissen-Mutterhauses Altvandsburg am 20. Oktober 2019

Liebe Schwester Heidemarie, liebe Schwesterngemeinschaft, sehr geehrte Frau Bürgermeisterin, lieber Herr Samtgemeindebürgermeister, liebe Gäste!

Ich freue mich sehr, heute hier zu sein und mit Ihnen diesen besonderen Tag zu begehen. Vielen Dank für die Einladung, liebe Schwestern!

Im Juni war ich ja auch hier zu Gast – bei Ihrem traditionellen Jahresfest: Dieser „Tag der Begegnung“ war ebenfalls eine sehr schöne Veranstaltung. Und ich möchte betonen, dass ich immer wieder sehr gerne zum Austausch herkomme!

In meinem heutigen Grußwort zum 120-jährigen Bestehen des Mutterhauses möchte ich einen Rückblick geben. Und zwar werde ich auf die historische Entwicklung der geistlichen Werke eingehen. Natürlich nicht in aller Ausführlichkeit, sondern kurz und knapp!

Ja, liebe Zuhörer: Vor 120 Jahren befand sich das deutsche Kaiserreich in der Hochphase der Industrialisierung: Auf der einen Seite sah man Reichtum und Fortschritt; auf der anderen Seite sah man die Verarmung breiter Schichten.

Dieser soziale Strukturwandel, der schon im 19. Jahrhundert begonnen hatte, brachte zwei gesellschaftliche Strömungen hervor:

Zum einen die Stimme der Revolution und des Kommunismus: Diese Ideologie, die vorgab Elend zu heilen, kostete Millionen von Menschenleben und Lebenschancen.

Die andere Strömung war die christliche Bewegung: Evangelische Frauen und Männer überlegten, wie sie aus dem Glauben heraus die Not ihrer Nächsten lindern konnten.

Liebe Schwestern, auch Ihr Werk entstammt dieser Strömung. Sie haben hier in Altvandsburg die Nächstenliebe lebendig gemacht und erhalten! 

Als weiteres Beispiel möchte ich den Beamten Friedrich Wilhelm Raiffeisen erwähnen: Als gläubiger Christ wollte er die Not der Landbevölkerung lindern.

Er machte sich stark für ein Genossenschaftswesen mit Banken, die Armen mit Darlehen aushalfen −  aber nicht als Subvention, sondern als Hilfe zur Selbsthilfe!

Zugleich wollte er die Genossen zum Zusammenhalt aufrufen, um soziales Abgleiten zu verhindern. 

Meine Damen und Herren: Auf Raiffeisens Grabstein steht das Bibelzitat, das für uns Christen leitend ist:

„Jesus aber sprach zu ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«. Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«. (Matthäus, Kap. 22 Verse 37+39)

Aus diesen Anfängen, wie Raiffeisens Ideen und Wirken, gingen Ende des 19. Jahrhunderts die Diakoniewerke und Diakonissen-Mutterhäuser hervor. Ihre Antwort auf die soziale Frage lag in der Zuwendung, Pflege und Speisung der Hilfsbedürftigen.

Im Gefolge der Diakonie hat der Sozialstaat vieles übernommen. Heute ist die soziale Situation der Bevölkerungsmehrheit natürlich längst eine andere.

Doch eines bleibt Ihnen, liebe Schwestern, ausdrücklich vorbehalten: Das kann der Staat nicht vermitteln – und zwar geht es um die Barmherzigkeit!

Liebe Anwesende: Wenn wir Christus wahrhaft nachfolgen, ändert sich unser Leben, ändern sich unsere Beziehungen und dann ändert sich die Welt. Auf diese Weise entsteht Hoffnung!

Und dieses „Mehr“ ist es, was die Diakonissen-Mutterhäuser – wie dieses hier − auszeichnet!

Das Mutterhaus Altvandsburg ist ein Segen für viele Menschen in der Region! Seit 120 Jahren nunmehr leisten die Schwestern hier eine unschätzbare Arbeit zum Wohl der Menschen.

Ich möchte deshalb ausdrücklich betonen:

Liebe Schwestern, Gott sei Dank, dass es Sie gibt!

Auch Pastor Klaus-Joachim Bachhofer aus Kirchdorf nahm an der Jubiläumsveranstaltung teil.

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