Erster Bericht von der Uchter PPP-Stipendiatin Caroline Ihlo aus den USA

Als eine der glücklichen Stipendiatinnen, die diesen Sommer im Rahmen des Parlamentarischen Patenschafts-Programms in einen USA-Schüleraustausch starten darf, möchte ich Caroline, 16 Jahre und aus dem niedersächsischen Uchte stammend, von meinen ersten beiden Monaten meines USA-Schüleraustausches berichten.

Nun bin ich bereits fast zwei Monate im US-Bundesstaat Wisconsin. Ich lebe in Appleton, einer Stadt mit 75.000 Einwohner*innen. Die Zeit hier vergeht wie im Flug, ich fühle mich hier unheimlich wohl und mir geht es sehr gut. Die Leute um mich herum sind super aufgeschlossen und begeistert, wenn sie hören, dass ich aus Deutschland komme. Manche sagen: „Oh, aus Deutschland. Das ist aber weit weg!“ oder „Ich habe noch nie die Staaten verlassen und würde mir gerne mal Deutschland anschauen.“

Das Parlamentarischen Patenschafts-Programm ist ein Stipendienprogramm, das vom Deutschen Bundestag ausgeschrieben und finanziert wird. Das Programm ist auf den Austausch mit den USA begrenzt und nur für ein ganzes Schuljahr möglich. Im Auftrag des Deutschen Bundestages betreut u.a. Partnership International e.V. 55 deutsche Stipendiat*innen des Parlamentarischen Patenschafts-Programms, die seit 1983 als Junior-Botschafter*innen für ein Jahr in die Staaten geschickt werden.

Schon vor meinem Abflug hatte ich zu meiner Gastfamilie per Skype regen Kontakt, auch durfte ich mich bereits über eine Geburtstagsglückwunschkarte aus den USA freuen :)

Am Flughafen wurde ich herzlichst mit einem selbstgebastelten Plakat gegrüßt, darüber hinaus fand ich ein mit Fotos aus meiner Heimat dekoriertes Zimmer im Hause meiner Gastfamilie vor und war sprachlos vor Freude über diese Mühe, die sich meine Gastfamilie - das sind Gregg, Sue mit ihrer Tochter Ryleigh und den beiden nicht mehr zu Hause wohnenden Kinder Heather und Brooke - gemacht haben. Nicht vergessen möchte ich den Schwiegersohn Eathon „ET“ sowie die beiden Enkelkinder, die auch im Hause ein- und ausgehen. Die Familie ist unglaublich nett, so hilfsbereit und verständnisvoll. Hier fühle ich mich absolut gut aufgehoben.

Meine High School ist die „Appleton North High School“, auf die ca. 1.800 Schüler*innen gehen. An meinen ersten Tagen an der High School wurde ich übrigens von einem sechsseitigen Brief eines deutschen Austauschschülers des letzten Schuljahres mit vielen wertvollen Tipps rund um mein Austauschjahr in Appleton empfangen. Dieser Brief - auch einer meiner vielen unvergesslichen Erlebnisse :)

Am Anfang war es schwer, sich auf so einer großen Schule zurechtzufinden sowie Kontakt zu knüpfen. Ich bin auf meine Mitschüler*innen zugegangen und habe versucht, Gespräche anzufangen. Mutig sein, auf fremde Menschen zugehen und insbesondere die Sprachbarriere zu überwinden, zahlt sich hierbei wirklich aus. Mein Motto „sei mutig und freundlich“ hat mir sehr geholfen.

Auch durch meine gewählten Kurse durfte ich dann innerhalb kurzer Zeit echt viele liebe Menschen kennenlernen. Jedoch sehe ich hier auf dem „hallway“ (Flur) der Schule immer noch jeden Tag so viele neue Gesichter.

Eine der coolsten Aktivitäten, die mir hier ermöglicht werden, ist mein tägliches Tennistraining. Bereits kurz nach meiner Anreise fanden „try-outs“ statt: Hier wurden die Teilnehmenden der Tennis-Schulmannschaften ausgewählt und ich durfte mich freuen, es in die erste Mannschaft geschafft zu haben. Der Sport ist an meiner High School sehr wichtig, daher habe ich auch jeden Tag nach der Schule Training. Die Trainer/Lehrer sind außergewöhnlich engagiert und kümmerten sich um die Schüler*innen, es ist immer etwas los, an dem man teilhaben kann.

Mit meinem Team fahren wir häufig zu Turnieren oder Matches gegen andere High Schools. Hierzu machen wir, das ist mein Team aus sechs weiteren Tennisspielerinnen und mir, uns mit dem Schulbus auf den Weg. Ab und an werde ich von Mitspielerinnen, die mittlerweile Freundinnen für mich geworden sind, mitgenommen. Daran, dass in den USA der Führerscheinerwerb bereits mit 16 Jahren möglich ist, musste ich mich erst einmal gewöhnen. Auch meine Gastfamilie ist sehr sportbegeistert, Gregg als Volleyballtrainer wie auch die ganz Familie unterstützen mich sehr.

Mitglied des Tennisteams an der Appleton North High School zu sein ist eine einzigartige Erfahrung und eine wirklich tolle Möglichkeit, meine Leidenschaft auszuleben und gleichzeitig viele liebe neue Menschen kennenzulernen, die genauso begeistert vom Tennis sind wie ich. Abends bin ich dann manchmal sehr erschöpft und zugleich so dankbar jeden Tag, an dem ich diesen School-Sport-Spirit miterleben durfte.

Mit meiner Gastfamilie unternehme ich ständig tolle Sachen. So waren wir an einem See, haben eine Wanderung unternommen und ein Straßenkonzert „Mile of Music“ besucht. Hier haben wirklich gute Bands gespielt. Auch besuchten wir ein Heißluftballon-Festival und konnten eine friedlich-schöne Stimmung genießen. Freunde der Familie betreiben eine Rinderfarm, auch dort konnte ich interessante Eindrücke gewinnen.



Sonntags begleite ich meine Lieben in die Kirche und abends machen wir sehr oft ein Feuer. Mein Gastvater liebt es zu grillen und da ist er auch unschlagbar drin! Er bereitet die besten Steaks, die ich je gegessen habe, zu! Das Essen hier ist typisch amerikanisch-ungesund :) und es stimmt, dass viel Fast Food wie Pizza, Pommes, Burger, Corndog (Würstchen in Maisteighülle) oder Chicken gegessen wird. Daher tut mir der Ausgleich durch meinen vielen Sport sehr gut. Die amerikanische Küche entspricht wohl in vielerlei Hinsicht dem Klischee der ungesunden Ernährung. Es ist aber auch hier möglich, gesund zu essen. Es gibt natürlich Obst, Gemüse und ungesüßte Getränke. Auch der Ausgleich durch die vielen Sportangebote an der High School tun den Schüler*innnen unglaublich gut.

Manchmal ist es schwierig für mich, meine Gedanken auf Englisch auszudrücken. Wir finden aber stets einen Weg der Verständigung und auch meine Gastfamilie ist sehr interessiert an deutschen Wörtern, so ist beispielsweise ihr Lieblingswort „genau“ :)

Ich habe meine Gastmama, meinen Gastpapa und meine drei Gastschwestern, deren Familie und nicht zu vergessen unseren Familienhund Madi bereits jetzt richtig in mein Herz geschlossen. Es fühlt sich schon nach zwei Monaten an, als hätte ich eine zweite Familie gefunden. Natürlich denke ich oft an meine Familie und Freunde zu Hause. Ich habe regelmäßigen Kontakt zu ihnen und sie sind natürlich immer in meinem Herzen, egal welche räumliche Distanz zwischen uns liegt.

Letzte Woche hatte ich ein tolles Erlebnis, denn ich war das erste Mal in meinem Leben mit Freundinnen bei einem American Football Spiel. Das war echt der Wahnsinn und hat mir noch einmal verdeutlicht, dass ich jetzt wirklich in den USA bin und dass das hier Realität ist.

Manchmal, wenn ich z.B. mit meiner Gastfamilie gemütlich im Garten sitze, kann ich es kaum glauben, wirklich hier zu sein. Ich bin sehr dankbar und möchte mich an dieser Stelle noch einmal sehr bei Herrn Axel Knoerig, meinem Bundestagsabgeordneten unseres Wahlkreises Diepholz-Nienburg, für diese tolle Chance, die Sie mir ermöglicht haben, bedanken. Ich schätze Ihr Vertrauen, das Sie in mich gesetzt haben, sehr und versuche das Beste aus jedem Tag als Junior-Botschafterin herauszuholen und so gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zu einer besseren Verständigung zwischen jungen Deutschen und Amerikanern zu leisten. Alles in allem ist es für mich eine unglaubliche Erfahrung und der Entschluss, die Bewerbung für das Parlamentarischen Patenschafts-Programm angegangen zu sein, ist eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

Ganz herzlichste Grüße aus Appleton in die Heimat nach Deutschland sendet Caroline!

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