
Treffen mit Dennis Baum: Geschichte der Unternehmerfamilie Simson verpflichtet zu Respekt
Die Traditionsmarke Simson und ihre berühmten Mopeds wie die „Schwalbe“ stehen für deutsche Industriegeschichte – und für das Schicksal einer jüdischen Unternehmerfamilie, die unter dem NS-Regime verfolgt und enteignet wurde. Umso empörender ist es, dass derzeit führende Vertreter der AfD die Simson-Mopeds gezielt für ihre politische Inszenierung und ihren Wahlkampf nutzen. Die Nachfahren der Familie haben dies zu Recht als Verletzung und Vereinnahmung ihres Namens kritisiert.
Vor wenigen Tagen hatte ich im Rahmen meiner USA-Reise die Gelegenheit, Dennis Baum, den Enkel der Firmengründer, unweit von New York persönlich zu treffen. Er schilderte eindrücklich, wie schmerzhaft es für die Familie ist, ihren Namen heute im Zusammenhang mit einer Partei zu sehen, deren Auftreten und Symbolik viele Menschen zutiefst beunruhigt. Ich empfinde dieses Vorgehen ebenfalls als zutiefst taktlos und geschmacklos. Die Geschichte einer jüdischen Familie, die Opfer von Verfolgung und Enteignung wurde, darf nicht für politische Zwecke instrumentalisiert werden.
Herr Baum zeigte uns auch das Buch der Historikerin Ulrike Schulz über die Familie Simson. Es macht eindrucksvoll deutlich, welche Bedeutung diese Familie hatte und welches Unrecht ihr widerfahren ist. Gerade deshalb darf ihre Geschichte heute nicht politisch missbraucht werden.
Dennis Baum wird übrigens heute Abend um 19:20 Uhr im TV in der Sendung „Kulturzeit“ auf 3Sat über die aktuelle Situation und die Perspektive seiner Familie sprechen. Ich empfehle, dieses Interview anzusehen.